Berichtsheft

In einem Berichtsheft, auch Ausbildungsnachweis genannt, dokumentieren Auszubildende die von ihnen ausgeführten Tätigkeiten und das Wissen, welches ihnen in ihrem Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule vermittelt wurde.

Was muss ein Berichtsheft beinhalten?

In ein Berichtsheft gehören:

  • Deckblatt
  • Ausbildungsverlauf
  • tägliche oder wöchentliche Ausbildungsnachweise

Auf jedem Nachweisblatt sollten der Name des Auszubildenden, das Ausbildungsjahr sowie der Berichtszeitraum eingetragen werden.

Alle relevanten Ausbildungsinhalte sollten wenigstens stichpunktartig notiert und genau beschrieben werden. Neben den ausgeführten Tätigkeiten und der jeweiligen Dauer im Ausbildungsbetrieb sollten Auszubildende auch Einweisungen, Schulungen und betrieblichen Unterricht ihres Arbeitgebers in ihren Nachweisen erfassen. An Tagen, an denen Berufsschulunterricht vorgesehen ist, sollten besprochene Themen und der behandelte Lehrstoff eintragen werden.
Arbeits- und Unterrichtszeiten sind ebenso zu vermerken wie Krankheits- und andere Fehltage. Pro Woche sollte der Ausbildungsnachweis ca. eine DIN-A4-Seite umfassen.

 

Warum müssen Azubis Berichtshefte führen?

Wer sich für eine duale Ausbildung entscheidet, ist dazu verpflichtet, ein Berichtsheft zu führen, § 13 Satz 2 Nr. Nr. 7 Berufsbildungsgesetz (BBiG). Indem Auszubildende ihre ausgeführten Tätigkeiten und Unterrichtsinhalte in dem Berichtsheft schriftlich festhalten, kann am Ende der Ausbildung festgestellt und überprüft werden, was der Auszubildende gelernt hat und ob alle Ausbildungsinhalte ordnungsgemäß vermittelt wurden.

Außerdem ist das Berichtsheft nach § 43 Absatz 1 Nr. 2 BBiG bzw. § 36 Absatz 1 Nr. 2 Handwerksordnung (HwO) eine Zulassungsvoraussetzung für die Teilnahme an der Abschluss- bzw. Gesellenprüfung. Das bedeutet: Wer kein Berichtsheft vorlegen kann, kann nicht an der Abschluss-/Gesellenprüfung teilnehmen. Die Ausbildungsnachweise werden von den jeweils zuständigen Stellen kontrolliert. Teilweise müssen die Berichtshefte auch bereits zur Zwischenprüfung oder zur mündlichen Prüfung vorgelegt werden. Allerdings werden die Arbeitsnachweise weder bewertet noch fließen sie in die Endbewertung ein.

Durch das Führen des Ausbildungsnachweises können Azubis und Ausbilder den Ablauf und die Inhalte der Ausbildung noch einmal Revue passieren lassen. Für die Auszubildenden kann ein Blick in das Berichtsheft insbesondere vor Prüfungen hilfreich sein.

 

Woher bekommt man ein Berichtsheft und wie wird es geführt?

Die benötigten Hefte und Formblätter für die Berichtshefte sind von den Ausbildungsbetrieben zur Verfügung zu stellen. Alternativ können sich Azubis Muster für die Ausbildungsnachweise auf den Webseiten der IHK oder HWK online herunterladen, ausdrucken und ausfüllen. Bei dieser Variante werden die Berichtshefte als Loseblattsammlung geführt.

Seit Oktober 2017 können Auszubildende ihre Berichtshefte auch in elektronischer Form führen. Hierfür können sie die kostenlosen Vordrucke der IHK oder HWK am Computer ausfüllen. Alternativ können auch Apps verwendet werden, diese sind meist kostenpflichtig.
Ob das Berichtsheft in schriftlicher oder elektronischer Form geführt werden soll, legen die Auszubildenden gemeinem mit ihren Ausbildern fest.

Um die Vollständigkeit der Ausbildungsnachweise kümmern sich die Auszubildenden allein, sie führen ihr Berichtsheft selbständig. Ob sie die Inhalte ihrer Ausbildung täglich oder wöchentlich festhalten wollen, können sie selbst beschließen. Auszubildende aus technischen Bereichen entscheiden sich meist für die tägliche Dokumentation, während kaufmännische Azubis ihre Nachweise häufiger wöchentlich führen. Monatsberichte sind hingegen weniger verbreitet.

 

Wer muss die Ausbildungsnachweise unterschreiben?

In regelmäßigen Abständen, d.h. mindestens monatlich, sind die Berichtshefte von den Ausbildern zu unterzeichnen. Durch ihre Unterschrift bestätigen sie die Richtigkeit der von den Azubis gemachten Angaben.
Wird das Berichtsheft elektronisch geführt, müssen die Nachweise entweder ausgedruckt und unterzeichnet oder mit einer elektronischen Signatur versehen werden.

Daneben müssen Auszubildende ihre Berichtshefte selbst unterschreiben, sofern sie volljährig sind. Bei minderjährigen Azubis ist ein Gegenzeichnen durch die Eltern erforderlich.

 

Drei hilfreiche Tipps zur Berichtsheftführung

Regelmäßige Dokumentation

„Welche Aufgaben habe ich an jenem Tag erledigt? Womit habe ich den Arbeitstag damals verbracht?“
Damit sich Auszubildende diese Fragen nicht ständig stellen und durch Spekulationen beantworten müssen, ist es ratsam, das Berichtsheft regelmäßig zu führen, am besten am Ende eines Tages bzw. einer Woche. Ausgeführte Tätigkeiten sind dann noch im Gedächtnis und müssen nicht mühsam rekonstruiert werden. Kleine Notizen im Verlauf eines Tages bzw. einer Woche können außerdem helfen, die Erinnerungen beim Schreiben des Berichthefts aufzufrischen.

Auf den Inhalt achten

Beim Führen ihres Berichtshefts sollten Azubis gut überlegen, was Eingang in ihr Berichtsheft findet und auf welche Inhalte sie verzichten müssen. Sämtliche Arbeiten, Einweisungen und Schulungen sowie Betriebs- und Berufsschulunterricht sollte sich in ihren Nachweisen wiederfinden. Dagegen sind Aktivitäten, die nicht im Zusammenhang mit der Ausbildung stehen, nicht aufzuführen. Beschäftigungen während der Pausen sind daher wegzulassen. Auch Firmengeheimnisse oder geschützte Daten, wie beispielsweise Kunden- oder Patientendaten, gehören daher auf keinen Fall in die Ausbildungsnachweise.

Abwechslungsreiche Gestaltung

Auf einfache Sätze oder Stichpunkte müssen sich Auszubildende in ihren Berichtsheften keinesfalls beschränken. Stattdessen können sie ihrer Kreativität gelegentlich freien Lauf lassen und Zeichnungen, Pläne oder Skizzen in ihr Berichtsheft einfügen.

Neben regelmäßigen Tätigkeiten und Unterrichtsinhalten können die Azubis ihren Fokus in ihren Berichtsheften auch auf andere Aspekte des Arbeitsalltags legen und zum Beispiel die Funktionsweise verwendeter Programme oder Maschinen beschreiben. Über die Verwendung gelernter Fachbegriffe freuen sich Ausbilder außerdem.

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