Müssen Azubis Steuern zahlen?

Auch Auszubildende unterliegen der allgemeinen Steuerpflicht. Ob und in welcher Höhe du als Azubi Steuern zahlen musst, hängt von der Höhe deiner Ausbildungsvergütung und deinem Familienstand ab. Beträgt dein Bruttogehalt weniger als 9.406 Euro im Jahr (Stand 2020), musst du keine Steuern zahlen – das ist der sogenannte Steuerfreibetrag. Verdienst du mehr, fallen bei dir Lohn-und ggf. Kirchensteuer an.

Steuern: Lohnsteuerbescheinigung, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag
Lohnsteuerbescheinigung (ELStAM)

Lohnsteuer

Die Höhe der zu zahlenden Steuern ist von der Lohnsteuerklasse abhängig, in die du eingeordnet wirst. Je nach Steuerklasse gelten unterschiedliche Freibeträge. Steuern fallen nur für den Teil des Einkommens an, der die jeweils geltenden Grundfreibeträge übersteigt. Die meisten Azubis sind kinderlos und ledig und erhalten deshalb die Lohnsteuerklasse 1. Das bedeutet, ihr Grundfreibetrag ist geringer als in höheren Steuerklassen. Wer verheiratet ist oder Kinder hat, wird automatisch einer höheren Steuerklasse zugeordnet, in der entsprechend höhere Grundfreibeträge gelten.

In der Lohnsteuerklasse 1 zahlt ein Azubi erst ab einem monatlichen Bruttogehalt von ca. 950 Euro Lohnsteuer. Nur wenige Auszubildende erhalten bereits im ersten Lehrjahr eine Ausbildungsvergütung in dieser Höhe (siehe Ausbildungsvergütung: Wie viel verdient ein Azubi?).

Auch wenn zu Beginn der Ausbildung meist noch keine Lohnsteuer anfällt, benötigt der Arbeitgeber zu Beginn der Ausbildung entsprechende Angaben von dir. Die Lohnsteuerkarte aus Papier wurde 2013 durch ein elektronisches Verfahren (ELStAM) ersetzt. Alle Angaben, die früher auf der Lohnsteuerkarte vermerkt waren, werden nun in einer Datenbank des Bundeszentralamts für Steuern zum elektronischen Abruf für die Arbeitgeber bereitgestellt.

Kirchensteuer

Kirchensteuer zahlst du nur, wenn du einer Religionsgemeinschaft angehörst, deren Mitglieder kirchensteuerpflichtig sind. Die Kirchensteuer beträgt 9 Prozent der Lohnsteuer (beziehungsweise 8 Prozent in Baden-Württemberg und Bayern). Sie wird also nur für Azubis fällig, die auch Lohnsteuern zahlen müssen.

Solidaritätszuschlag

Ähnliches gilt für den Solidaritätszuschlag. Dieser richtet sich ebenfalls nach der Lohnsteuer und beträgt ca. 5,5 Prozent. Wenn du von der Einkommensteuer befreit bis, weil du zu wenig als Auszubildender verdienst, wird auch kein Solizuschlag fällig. Im Januar 2021 wurde der Solidaritätszuschlag abgeschafft.

Lohnt sich eine Steuererklärung?

Für dich als Azubi könnte sich eine Einkommensteuererklärung lohnen. Die ist zwar freiwillig, solltest du neben deiner Ausbildung kein weiteres Geld verdienen, aber es kann manchmal trotzdem sinnvoll sein, sich die Arbeit zu machen. Eine Einkommensteuererklärung soll ermitteln, ob du zu viel oder zu wenig Steuern gezahlt hast. Hast du zu wenig gezahlt, musst du nachzahlen, hast du zu viel bezahlt, bekommst du vom Finanzamt Geld erstattet. Für dich als Azubi sind besonders die Werbungskosten interessant. Werbungskosten sind alle Ausgaben, die nötig sind, damit du deine Arbeit ausführen kannst, insbesondere Fahrtkosten oder Arbeitskleidung. Andere typische Werbungskosten sind etwa Fachliteratur, Arbeitsmittel oder Verpflegung, wenn du für deine Ausbildung reisen musst. Aber auch dein Handy und deinen Computer kannst du als Werbungskosten geltend machen, wenn diese für deine Ausbildung benötigt werden, und du keine Geräte gestellt bekommst. Auch Aufwendungen etwa für den Umzug sind absetzbar. Wenn du Lohnsteuer zahlst, du also über dem Freibetrag deiner Lohnsteuerklasse verdienst, und deine Werbungskosten hoch sind, dann kann sich eine Steuererklärung für dich lohnen, da du eine Menge Geld zurück kriegen kannst! Falls deine Werbungskosten jedoch unter 1000 Euro liegen und du keine Lohnsteuer zahlst, dann lohnt sich eine Steuererklärung kaum.

Wie macht man die Steuererklärung?

Als Auszubildender müsstest du nur eine verkürzte Steuererklärung machen. Das Formular dafür lässt sich etwa auf der Seite des Bundesfinanzministeriums runterladen. Über das kostenlose Portal Elster wird das von dir ausgefüllte formular dann digital ans Finanzamt übermittelt. Dabei prüft Elster deine Steuererklärung auch gleich noch auf Plausibilität. Daneben gibt es auch private Softwareanbieter, Steuerberater oder Lohnsteuervereine, die Unterstützung bei der Steuererklärung anbieten. Die sind dann aber meistens kostenpflichtig.

Verlustvortrag und Zweitausbildung

Besonders interessant wird die Steuererklärung übrigens für Azubis, die sich bereits in der Zweitausbildung befinden: Hier dürfen die gesamten Ausbildungskosten als Werbungskosten abgesetzt werden. Durch einen sogenannten Verlustvortrag kannst du Verluste, die du in einem Steuerjahr gemacht hast, in die nächsten Jahre mitnehmen und dann steuerlich geltend machen. Wenn du also über den Zeitraum, in dem du deine Zweitausbildung machst, Verlust machst, weil du nicht so viel verdienst, wie wenn du arbeiten würdest, kannst du diese Verluste dann in dem Jahr von der Steuer absetzen, in dem du wieder normal verdienst! Mit einem Verlustvortrag kannst du so selbst Verluste gewinnbringend nutzen.